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Nikolaus Groß

 




Märtyrer der Arbeitnehmer

geb. am 30. September 1898 in Niederwenigern
(heute Hattingen/Ruhrgebiet)
gest. 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee
Seligsprechung am 07. Oktober 2001 in Rom


Nikolaus Groß war der Sohn eines Zechenschmiedes aus Niederwenigern an der Ruhr und arbeitete nach dem Besuch der Volksschule zunächst unter Tage. Dabei bemühte er sich stets, sich selbst in seiner knapp bemessenen Freizeit weiterzubilden. 1918 wurde Groß Mitglied der Zentrumspartei, ein Jahr später trat er dem Antonius-Knappenverein in seinem Heimatort bei. Der Bergmann Nikolaus Groß konnte schließlich das Kohlenflöz mit dem Schreibtisch tauschen: Er wurde Gewerkschaftssekretär und als solcher in Schlesien, Sachsen und dem Ruhrgebiet tätig. 1927 schließlich begann Groß seine Laufbahn bei der Westdeutschen Arbeiterzeitung, dem Zentralorgan der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Innerhalb weniger Jahre brachte er es dort vom Hilfs- zum Chefredakteur. Den Aufstieg des Nationalsozialismus betrachtete der siebenfache Familienvater mit großer Abneigung: Die Nazis, so schrieb er 1930, seien "die Todfeinde des heutigen Staates", die nicht nur aus politischen und wirtschaftlichen Gründen, sondern vor allem aus der religiösen und kulturellen Haltung der katholischen Arbeitnehmer heraus abzulehnen seien.

Nach der Machtübernahme 1933 musste sich auch Groß den veränderten Gegebenheiten anpassen. Sein Schreibstil wurde zwar nicht sanfter, aber hintergründiger: Die Kritik am politischen System versteckte sich zwischen den Zeilen, doch war sie für diejenigen, für die das inzwischen in "Kettelerwacht" umgenannte Blatt bestimmt war, nicht schwer zu entschlüsseln.

1938 wurde die Zeitung endgültig verboten. Groß betätigte sich nun als Texter und Verleger kleinerer Schriften, in denen er den Arbeitern das Wort Gottes und seine praktische Bedeutung in schweren Zeiten näher zu bringen versuchte. Mehrmals wurde er in dieser Zeit von der Gestapo verhaftet und verhört.

Nach dem gescheiteren Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Groß einige Wochen später als Mitwisser verhaftet und ins Gestapo-Gefängnis Berlin-Plötzensee gebracht. Dort wurde er mehrfach verhört und gefoltert. Obwohl Groß nicht zu den Verschwörern gehörte, wurde ihm sein offener Widerstand gegen das Regime zum Verhängnis. Am 15. Januar 1945 erging das Todesurteil durch den Vorsitzenden des Volksgerichtshofes Roland Freisler. Seine protokollierte Schlussbemerkung und eigentlich einzige Urteilsbegründung: Er schwamm mit im Verrat, muss folglich auch darin ertrinken!

Das Zeugnis der Wahrheit und des Glaubens aber ist nicht auszulöschen: Es lebt weiter in denen, die uns leuchtend vorangegangen sind. Gefängnispfarrer Buchholz, der den Todeskandidaten aus einem Versteck heraus für seinen letzten Gang segnete, berichtete nachher: "Groß neigte beim Segen still das Haupt. Sein Gesicht scheint schon erleuchtet von der Herrlichkeit, in die einzugehen er sich anschickt."

Ein christliches Begräbnis verwehrten ihm die damaligen Machthaber. Seine Leiche wurde verbrannt und die Asche über die Felder verstreut.

Am 07. Oktober 2001 sprach Papst Johannes Paul II in Rom den mutigen Arbeiterführer Nikolaus Groß selig.

Für die Beweggründe, die Männer wie Nikolaus Groß motivierten, finden wir eine Antwort in den Memoiren des bekannten Männerseelsorgers, Prälat Caspar Schulte von Paderborn. Er sagte Nikolaus Groß am Tag vor dem Attentat: "Herr Groß, denken Sie daran, dass Sie sieben Kinder haben. Ich habe keine Familie, für die ich verantwortlich bin. Es geht um Ihr Leben". Darauf gab ihm Groß das wirklich große Wort zur Antwort: "Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen, wie wollen wir dann vor Gott und unserem Volk einmal bestehen".