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Liturgische Praxis

im Gottesdienst




Der Psalm im Wortgottesdienst - Das Halleluja

Der Psalm im Wortgottesdienst

"Erster Zwischengesang" steht an der Stelle nach der Ersten Lesung im Messbuch. Das klingt so, als ging es an dieser Stelle nur darum, irgendetwas, gleichsam als Pausenfüller, zu singen. "Antwortpsalm" heißt es im Mess-Lektionar an dieser Stelle, und das sagt genau, was und wie da zu singen ist: der dafür vorgesehene Psalm in „responsorialer" Weise, d.h. antwortend. 

Häufig versteht man das Wort "Antwortpsalm" auch dem Inhalt nach, also als Antwort auf die vorangegangene Lesung. Das ist ein schöner Gedanke, aber er deckt nicht alles ab, was mit diesem Psalm gemeint ist. Denn der Psalm ist nicht nur Antwort auf die Erste Lesung, sondern steht auch mit der anderen Lesung der betreffenden Feier in einem gewissen Zusammenhang und er ist auch selber in gewisser Weise Lesung: aus der Heiligen Schrift vorgetragenes Wort, das die Hörenden lehrt, wie sie angemessen beten können. 

Dem entspricht die "responsoriale" - antwortende - Vortragsweise: ein/e Kantor/in trägt die einzelnen Verse vor und die Gemeinde macht sich das Gehörte in einem Kehrvers als ihr Gebet zu eigen. Nur eine Notlösung ist es also, wenn der Psalm so wie in der Tagzeitenliturgie gesungen wird, nämlich im Wechsel zwischen zwei Seiten oder zwischen Vorsänger/in und Gemeinde. Dort nämlich geht es nur um Gebet, hier aber geht es auch um Lesung. Darum ist es auch angemessen, dort, wo ein/e geeignete/r Kantor/in fehlt, den Text von einer Person vortragen zu lassen, während die Gemeinde zu Beginn, am Ende und an den dazwischen vorgesehenen Stellen den passenden Kehrvers singt. Wo der Psalm noch nicht eingeführt ist, kann diese Vortragsweise ein Anfang sein. An Festtagen kann auch eine Chorgruppe oder Schola den Vortrag des Psalms übernehmen, wobei aber nach Möglichkeit die Gemeinde mit einem Kehrvers einstimmen soll.

Als eine Art Schriftlesung hat der Psalm grundsätzlich seinen Ort am Ambo; nur im Notfall kann ihn der/die Organist/in von der Orgelbühne aus vortragen.
 

Ebenfalls nur als Notlösung sind Psalmlieder anzusehen; nicht geeignet sind gewöhnliche Strophenlieder, wie sie leider - vielleicht auch aufgrund der unglücklichen Formulierung "Zwischengesang" - weit verbreitet sind.  



 Das Halleluja


Für die Dramaturgie eines Gesamtgeschehens sind oft sehr kurze Elemente von entscheidender Bedeutung. Im Wortgottesdienst der Messfeier wie in einer Wort-Gottes-Feier trifft das für das Halleluja bzw. den anderen Ruf vor dem Evangelium zu.

Allein die Tatsache, dass ein hebräisches Wort in der Liturgie erhalten blieb, ganz gleich ob sie griechisch, lateinisch oder in einer anderen Sprache gefeiert wird, lässt erahnen, dass es sich um etwas Besonderes handelt. Die wörtliche Übersetzung "Preiset Jahwe!" vermag das nicht wiederzugeben, was schon im jüdischen Synagogengottesdienst mit diesem Ruf gemeint war, wenn er als Antwort auf einen Psalm gesungen wurde. Es ist einfach die Freude an Gott in seinem Wort, die hier aus den feiernden Menschen hervorbricht als ein Jubel, ein Jauchzer, ein Freudenschrei. Es ist die Tatsache, dass "der Herr" selbst im Evangelium nun zu seinem Volk kommt, der diesen Jubel auslöst und die bis dahin Sitzenden von den Stühlen reißt.

Ob das auch in der Praxis geschieht, hängt weitestgehend vom Vollzug ab. Dabei kommt der Orgel und dem Gesang höchste Bedeutung zu. Die Orgel kann so spielen, dass es die Gläubigen nicht mehr im Sitzen hält. Dagegen ist ein gesprochenes Halleluja nicht viel besser als keines, sondern kann höchstens noch als Pflichtübung verstanden werden.

Manche Gemeinden wiederholen das Halleluja noch einmal nach dem Vortrag des Evangeliums, gleichsam als Ausdruck und Bestätigung der Freude, die sie im Hören empfunden haben.
 

Der Vers, der zum Ruf gesungen wird, bringt in der Regel einen zentralen Gedanken des Tages oder des folgenden Evangeliums zum Ausdruck.
 

In der Österlichen Bußzeit fasten die Gläubigen in Bezug auf das Halleluja; für diese Zeit sind andere Rufe vorgesehen wie "Lob dir Christus, König und Erlöser" (GL 562) oder "Lob sei dir Herr, König der ewigen Herrlichkeit" (GL 173,1).
 

Wo das Halleluja als Ruf vor dem Evangelium noch nicht in Übung ist, bietet sich die Osterzeit zur Einführung an.


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