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Der Totentanz von Neunkirchen

  von Dr. Erich Vettori




Im Mittelalter war es oftmals üblich, in Friedhofskirchen in vielen aufeinandeer folgenden Szenen darzustellen, auf welche mannigfache Art der Tod, dargestellt als Gerippe, die Menschen holt.
Diese Bilderzyklen wurden Totentanz genannt.


Um diese Tradition in Form eines modernen Totentanzes wieder aufleben zu lassen, wurden von mir neun Mosaiktafeln gestaltet.

Auf sechs Tafeln wird an den realen Tod von sechs Menschen erinnert, bei denen ich als Arzt bzw. Notarzt zugegen war. Ich erinnere damit aber auch an alle Menschen, die durch einen Unfall unerwartet aus dem Leben gerissen werden, an alle Menschen, die den Tod als letzten Ausweg sehen, an alle Menschen, die vom Tod als Erlöser an die Hand genommen werden.

Auf drei Mosaikschrifttafeln habe ich die Eigenschaften des Todes festgehalten.
Er trifft immer jeden, dargestellt als in der Mitte zerbrochener Spiegel, in dem sich jeder Betrachter gebrochen selber sieht.
Er trifft jeden anders, dargstellt in den bewegten unterschiedlichsten Grün- und Blautönen mit einem durchkreuzten Hintergrund.
Er trifft jeden immer, man kann sich drehen und wenden wie man will, symbolisiert in der unteren Schrift als Spiegelschrift.
Der Hintergrund besteht aus den Komplementärfarben, die immer die gleiche Mischfarbe Grau ergeben, dargestellt als unsere grauen Lebenslinien.
Die Bilder im Einzelnen:

Ein Verkehrsunfall, einer wird gerettet, einer wird vom Tod geholt.
Ein Sturz von der Autobahnbrücke, der Tod beugt sich über das Geländer, um den Menschen in Empfang zu nehmen. Oder hat er ihn gestoßen?
Ein Mann, er hat sich hinter der Tür erhängt, der Tod hält selber den Strick.
Ein Mann, er hat sich in einem Zimmer in den Kopf geschossen. Der Tod führt die Regie.
Ein Mann, er hat sich von einem Zug überrollen lassen, der Tod holt den Kopf, der ins Gebüsch gerollt ist.

Ein Patient, der nach langer Krankheit endlich vom Tod erlöst wird, der Tote liegt wie zur Ernte bereit auf einem goldbraunen reifen Kornfeld, er wird vom Tod an der Hand genommen und in ein helles Blau geführt, während der Arzt noch einmal den Puls fühlt, aber nur die braune Erde und den kalten Winter hinter sich anbieten kann.

Worte des Dankes

Bedanken möchte ich mich bei Herrn Pfarrer Armin J. Spießl, den ich für die Idee des Totentanzes begeistern konnte und der mir die Friedhofsmauer dafür zu Verfügung gestellt hat.

Bedanken möchte ich mich auch bei Herrn Max Hofmann, der die Mosaikbilder unentgeltlich und fachmännisch an der Mauer angebracht hat.


Dr. Erich Vettori

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